zeichmann

Zeichmann Dorothea (geb. Lipkovits), geboren 1957 in Eisenstadt, aufgewachsen in Klingenbach; Matura an der Handelsakademie Eisenstadt; Übersetzer- und Dolmetscherstudium (Englisch und Russisch) an der Uni Wien; arbeitete bis 2017 im Außenministerium in Wien; lebte und arbeitete in Belgrad, Kopenhagen und Prag; schreibt auf Deutsch und Burgenländisch-kroatisch; Mitglied des Österreichischen PEN-Clubs.

Publikationen: Keine Erinnerungen mehr/Nema uspomena – Gedichte (1994); Mrtvi na odmoru/Tote auf Urlaub– Lyrik und Prosa (1999); Zwischen Himmel und Hölle/Med nebom i paklom – Gedichte über die Liebe (2012); Želja/Der Wunsch – Kurzprosa (2013); AB – DZ – Briefwechsel zwischen D. Z. und Pater Dr. Augustin Blazovich (2014); Mona & Liza, Märchen für Kinder und Erwachsene (2020); Od jutra do noći – ein Buch über das Pendeln – Gedichte mit Fotos von Manfred Horvath (2021).

Anthologien (Auswahl): Ptići i Slavuji/Hawks and Nightingales (1983); Gedichte nach 1984 – Lyrik aus Österreich (1985); Schriftbilder, Portraits und Texte aus dem Burgenland (1999); Lesebücher für Schulkinder: Lesen ab 6. Im Lesenetz (2015), Lesen ab 10. Gedankenplätze (2017); dreisprachige Anthologie Rušimo granice/Überwinden wir Grenzen/Breaking down borders (2022).

www.dorotheazeichmann.at

TETA MARE

(Auszug)

Teta heißt Tante und Mare ist die Kurzform von Maria. In welcher Sprache, werdet ihr vielleicht fragen. Nun, in unserem Fall ist es das Kroatische, besser gesagt das Burgenländischkroatische, meine Muttersprache. Ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung des jüngsten österreichischen Bundeslandes sprechen – oder soll ich vielleicht sagen: sprachen – diese Sprache? Doch dazu etwas später. Wie immer ist es auch in diesem Fall schwierig zu beginnen beziehungsweise einen passenden Anfang zu finden. So habe ich in guter alter Torbergscher Tradition beschlossen, eine Anekdote an den Anfang meiner Betrachtungen zu stellen. Die geneigte Leserin und der mitfühlende Leser wird bald merken, dass manche meiner Erinnerungen nicht nur von angenehmer Art, sondern ganz im Gegenteil, für mich sehr schmerzhaft sind, da ich mich Zeit meines Lebens dieser Volksgruppe zugehörig gefühlt habe. Als Kind war das überhaupt kein Problem, da das ganze Dorf – und ich kannte ja nichts anderes – Kroatisch sprach und es für mich infolgedessen selbstverständlich war, mit allen, die für mich relevant waren, in dieser Sprache zu kommunizieren: mit den Eltern, den Tanten und Onkeln – auf diese komme ich in ihrer Differenzierung später zurück, auf ujci, strici, ujne und strine – mit den Nachbarn, den Spielgefährten, den Lehrern und nicht zuletzt mit dem Pfarrer.

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